Von der Verzweiflung zur Tat: Ein Kommentar zur internationalen „Raising Hope“-Konferenz
Die gestrige Eröffnung der internationalen Konferenz „Raising Hope for Climate Justice“ von 2.-3.10.2025 anlässlich des 10. Jahrestages der Umweltenzyklika Laudato Si war ein kraftvoller, existentieller Weckruf an die globale Gemeinschaft – und ein klarer Handlungsauftrag an alle kirchlichen Institutionen und Gläubigen in Österreich und weltweit.
Der Schrei der Erde verlangt unsere Umkehr
Die Botschaft von Papst Leo XIV war unmissverständlich und zutiefst emotional: Die Präsentation eines Stücks Gletschereis, das den „Schrei der Erde“ symbolisiert, mahnt uns alle zur „ökologischen Umkehr“. Der Papst betonte, dass die Pflicht zur Sorge um die Schöpfung und zur Pflege der Nächstenliebe in unserer Zeit untrennbar mit dem Klimaschutz verbunden sei. Es gehe nicht nur darum, die Umwelt zu schützen, sondern die Würde der Menschen, insbesondere der indigenen Völker und der am stärksten Betroffenen im Globalen Süden, zu wahren. Wir dürfen uns von der Verzweiflung nicht lähmen lassen, sondern müssen aktiv werden, wie es Papst Leo XIV. forderte.
Überwindung lähmender Gefühle: Die Macht der Gespräche
Genau hier setzt unsere Arbeit in Österreich an. Uns ist bewusst, dass die Klimakrise oft von Gefühlen wie Überforderung, Angst oder Lähmung begleitet wird. Wir dürfen uns von diesen Emotionen aber nicht von der Tat abhalten lassen. In unserem neuen Format, den KlimaGesprächen, schaffen wir daher Räume, in denen genau diese hemmenden Gefühle thematisiert und überwunden werden. Unser Ziel ist es, Menschen in die wirksame Klimakommunikation zu begleiten und zu zeigen: Wir können aktiv werden. Dieser Brückenschlag zwischen seelischer Belastung und konkretem Handeln ist entscheidend für die auch von der Kirche geforderte ökologische Umkehr.
Impulse von außen: Klimaschutz als Friedensfrage
Einen wichtigen Impuls zur Konferenz lieferte Arnold Schwarzenegger, der betonte, dass es sich beim Klimawandel um eine Verschmutzungskrise handelt, die jährlich Millionen von Menschenleben kostet. Statt nur vom Klimawandel zu sprechen, solle man über "Verschmutzung" reden, da dies die Menschen direkter verstehe. Er verwies auf die Millionen von Todesfällen jährlich durch Umweltverschmutzung und rief dazu auf, die Erde besser zu hinterlassen, als man sie geerbt habe.
Die Konferenz unterstrich generell, dass die Klimakrise eng mit Fragen der menschlichen Würde, des Friedens und der globalen Solidarität verbunden ist.
Konkrete Tatkraft: Der Dreiklang der Klima-Kollekte
Die von Papst Leo XIV. geforderte „Ära der Hoffnung und der Taten“ lässt sich nur durch konkrete, messbare Maßnahmen einläuten. Wir als Klima-Kollekte Österreich, eine ökumenische Initiative getragen von der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz, der Evangelischen Kirche A. und H.B., HORIZONT3000 und der der Diakonie sehen in dieser päpstlichen Forderung eine tiefgreifende Bestätigung unserer Arbeit. Unser Ansatz steht für die praktische Umsetzung in drei Schritten:
- Vermeiden und Reduzieren (Der erste Schritt): Der wichtigste Schritt ist die Senkung des eigenen CO2-Fußabdrucks. Wir stehen Pfarren, Diözesen, Ordensgemeinschaften aber auch Privatpersonen und Unternehmen beratend zur Seite. Dies umfasst die Bilanzierung der Emissionen (etwa durch Dienstreisen, Veranstaltungen und Gebäudewärme) und die Entwicklung von Strategien zur systematischen Reduktion der Treibhausgase.
- Der KlimaPlusBeitrag (Verantwortung übernehmen): Wo Emissionen (noch) unvermeidbar sind, etwa bei der Modernisierung alter Heizanlagen fordern wir zu einem freiwilligen Beitrag auf. Der KlimaPlusBeitrag ist kein Ablasshandel, sondern eine Investition in globale Klimagerechtigkeit. Die Gelder fließen in streng nach dem Gold Standard for the Global Goals zertifizierte Klimaschutzprojekte in den ärmsten Regionen der Welt. Hier schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe: Wir mindern den globalen CO2-Ausstoß und fördern gleichzeitig die lokale nachhaltige Entwicklung.
- Projektarbeit mit sozialem Mehrwert (Wirkung vervielfachen): Unsere Klimaschutzprojekte sind der Kern unserer Mission. Sie beinhalten beispielsweise die Installation von Biogasanlagen in Indien und energieeffizienten Kochstellen in Uganda oder Kenia. Diese Maßnahmen reduzieren den Holz- oder Kerosinverbrauch drastisch. Das schont nicht nur Ressoucen und das Klima, sondern stärkt Frauen, die weniger Zeit für das Holzsammeln benötigen, verbessert die Gesundheit durch weniger Rauch in den Wohnräumen und schafft lokale Arbeitsplätze für Bau und Wartung der Kochstellen.
Ausblick: Der Weg zur COP 30
Die „Raising Hope“-Konferenz, die man unter anderem via Livestream verfolgen kann, ist bewusst als wichtiger Auftakt in Verbindung mit der kommenden COP 30 (UN-Klimakonferenz) in Brasilien zu sehen. Die katholische Kirche beabsichtigt, ihre 1,2 Milliarden Gläubigen als wichtige moralische und praktische Führungskraft in die globalen Klimaverhandlungen einzubringen.
Welche konkreten Schritte können Sie, Ihre Pfarre oder Organisation setzen, um den Appell des Papstes in Österreich direkt umzusetzen?